Neue Kammern

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Die Neuen Kammern von Süden, Herbst 2006

Die Neuen Kammern in Potsdam sind ein Schlossbau im Park Sanssouci, der zunächst als Orangerie und später als Gästeschloss diente. Das Gebäude steht südlich der Maulbeerallee.

Geschichte

Nachdem der Bau von Schloss Sanssouci 1747 vollendet war, wurde westlich davon mit dem Bau eines weiteren Schlossgebäudes begonnen, das als Winterquartier für die tropischen Pflanzen des Parks dienen sollte. Die Pläne hierzu lieferte Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, die Leitung der Bauarbeiten oblag Johann Bouman. Vor dem 110 Meter langen und 6,5 Meter hohen Gebäude wurde 1749 eine Reihe von 24 Marmorstatuen aufgestellt, die von Künstlern aus dem italienischen Carrara angefertigt wurden.

Sowohl die breite, schräge Rampe, die dem Hinaufkarren der Kübelpflanzen diente, als auch einige Details an der Fassade zeugen von der ursprünglichen Nutzung als Orangerie. So findet man über den Flügeltüren Schmuck in Form von Blumen und Girlanden. Auch weisen die von Friedrich Christian Glume geschaffenen Skulpturen auf der Attika auf den anfänglichen Zweck, der Betrachter erkennt unter anderem Putten, die einen Orangenbaum pflanzen.

Die heutige Bepfanzung der Anlage entspricht dem historischen Vorbild. Vor den Neuen Kammern wurden 140 Süß- und Sauerkirschen gepflanzt, darunter Schattenmorellen, Spanische Knorpel- und Werdersche Herzkirschen.

Im Sommer, wenn die Orangen- und anderen Bäume im Park aufgestellt waren, stand das Gebäude leer. Diesen Umstand nutzte König Friedrich II. dazu, um hier Theater- und Musikaufführungen stattfinden zu lassen.

1771 wurde durch Georg Christian Unger mit dem Umbau zum Gästeschloss begonnen. Durch diese Maßnahme sollten die Gästeräume im Schloss Sanssouci entlastet werden. Die Umbauten, die vor allem in den Innenräumen stattfanden, dauerten bis 1775. Die Außenansicht wurde lediglich durch das Aufsetzen der Kuppel geändert. Dies geschah, um den Bau optisch der inzwischen errichteten Bildergalerie anzugleichen.

Seit dieser Zeit ist die Bezeichnung „Neue Kammern“ gebräuchlich. Vor allem zu den alljährlich stattfindenden Frühjahrs- und Herbstmanövern waren die Neuen Kammern durch hochrangige in- und ausländische Militärs gut ausgelastet.

Ab dem frühen 19. Jahrhundert hielt sich die königliche Familie selbst wieder oft in den Neuen Kammern auf. So sind Aufenthalte Friedrich Wilhelm III. und aller seiner Kinder belegt. Friedrich Wilhelm IV. schließlich wählte Sanssouci zu seiner Sommerresidenz. Er gab auch einige bauliche Veränderungen an dem Gebäude in Auftrag. So wurde 1842/43 die nördliche Rückwand unter Leitung von Friedrich Ludwig Persius angefügt und es entstand an dieser Seite ein zweites Geschoss. In diesem sollte die Dienerschaft der Gäste untergebracht werden. 1861 wurde an der Westseite ein Portikus nach einem Entwurf von Ludwig Ferdinand Hesse angebaut; danach folgte noch ein Säulengang zur Maulbeerallee hin.

Ausstattung

Die Neuen Kammern weisen im Inneren vier Säle und sieben Gästezimmer auf.

Allen Sälen ist gemein, dass sie mit Stuckmarmorarbeiten an den Wänden und Stuckverzierungen an den Decken ausgestattet sind. Diese Arbeiten wurden durch Georg Sartori d. J. und Johann Michael Merck ausgeführt. Die Fülle der Ausstattung selbst steigert sich von der relativ schlicht gehaltenen Blauen Galerie bis hin zum prächtigen Jaspissaal.

Den ursprünglichen Eingang zum Gästeschloss markierte die Blaue Galerie, die ihren Namen von den blauen Wandvertäfelungen erhielt. Der an der dem Schloss Sanssouci zugewandten Seite liegende Saal hatte die Funktion des Empfangssaals zu erfüllen.

Als nächstes folgt der ovale Buffetsaal, vermutlich fanden hier kleinere Tischgesellschaften statt. An der Spiegelwand im Saal sind 19 vergoldete Konsolen angebracht, auf denen Porzellangefäße standen. Bei ihnen handelte es sich um sechs chinesische Goldfischbecken und 13 Vasen und Terrinen aus der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin. Seit 1945 sind diese Gefäße verschollen. Seit 1987 stehen auf den Konsolen nun Werke der Keramikkünstlerin Heidi Manthey, die sich an den ursprünglichen Stücken orientieren.

Nun gelangt der Besucher in den Ovidsaal. Seinen Namen erhielt der Saal von 14 Stuckmedaillons, die Szenen aus den Metamorphosen des römischen Dichters Ovid zeigen. Bei ihnen handelte es sich um ein Lieblingswerk König Friedrich II. Geschaffen wurden die Reliefs durch die aus Bayreuth stammenden Gebrüder Johann David Räntz und Johann Lorenz Räntz, die nach dem Tod des dortigen Markgrafen Friedrich nach Potsdam übergesiedelt waren.

Größter und zugleich prächtigster Saal der Neuen Kammern ist der Jaspissaal. Seinen Namen verdankt er Wandfüllungen aus rotem schlesischen Jaspis, die von hellgrauem schlesischem Marmor eingefasst werden. An den Wandfüllungen aus Jaspis befinden sich Konsolen, die Büsten tragen. Die meisten der 30 Büsten stammen aus einer Antikensammlung des französischen Kardinals Polignac, die Friedrich II. 1742 erwarb. Ein Großteil der Büsten wurde ab 1830 im neuerrichteten Antikenmuseum in Berlin (heute Altes Museum) aufgestellt. Die aus den Neuen Kammern dorthin verbrachten Skulpturen wurden durch Büsten aus anderen königlichen Schlössern ersetzt.

Die sieben Gästezimmer setzen sich aus einem einzelnen Wohn- und Schlafzimmer sowie aus drei Gästewohnungen, die jeweils über ein Wohn- und ein Schlafzimmer verfügen, zusammen. Alle Gästezimmer sind mit teilvergoldeten Stuckrosetten an den Decken, Parkettfußböden aus Eichenholz sowie Kaminen aus schlesischem Marmor ausgestattet.

Vor allem die drei einzelnen Wohnzimmer heben sich durch ihre Raumausstattung hervor. Das auf den Jaspissaal folgende Zimmer ist als Grünes Lackkabinett gehalten, einer beliebten Gestaltungsform für Schlossräume des 18. Jahrhunderts. An den Wänden befinden sich Portraitmedaillons, die römische Imperatoren darstellen.

Die beiden anderen Wohnzimmer sind als Großes und Kleines Intarsienkabinett der Gebrüder Spindler bekannt. Die ebenfalls aus Bayreuth stammenden Brüder Johann Friedrich und Heinrich Wilhelm Spindler fügten in die Holzvertäfelungen der Räume Intarsien ein, die Ornamente, Blumenranken, Vögel und Früchte zeigen. Ihre fast vier Jahre währende Arbeit begannen die Künstler 1772. Zum Einsatz kamen sowohl einheimische als auch tropische Hölzer.

Quellen

  • Neue Kammern – Artikel bei der Wikipedia
  • Königliche Gartenlust im Park Sanssouci, Deutscher Kunstverlag, S. 11