Egon Eiermann

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Egon Eiermann (* 29. September 1904 in Neuendorf bei Potsdam; † 19. Juli 1970 in Baden-Baden) war ein deutscher Architekt, Designer und Hochschullehrer. Er gilt als einer der wichtigsten Architekten der Moderne in der Nachkriegszeit.

Leben und berufliche Entwicklung

Egon Eiermann wurde als Sohn des Ingenieur Wilhelm Eiermann und dessen Ehefrau Emma Gellhorn in Neuendorf geboren und wohnte seit etwa 1910 mit seinen Eltern in Nowawes Stahnsdorfer Straße 58. Er besuchte hier das Althoff-Gymnasium (heute Goethehaus des Bertha-von-Suttner-Gymnasium), wo er auch das Abitur ablegte. Nach einer kurzen Zeit praktischer Arbeit nahm er 1923 ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule in Berlin auf. Mit dem Studienabschluss fing er eine Beschäftigung im Baubüro der Rudolf Karstadt AG in Hamburg an und wechselte von hier zu den Berliner Elektrizitätswerken. Im Jahre 1931 gründete er mit einem Partner ein eigenes Architekturbüro und entwarf zunächst Wohnhäuser für den Raum Berlin und Umgebung. Nachdem sich beide Geschäftspartner 1934 wieder getrennt hatten entwarf er sämtliche Geschäftsstellen des Berliner Bestattungsunternehmens Grieneisen, einschließlich der Innenausstattungen und des Logos. Kurz darauf erhielt er einen Auftrag für die Propagandaausstellung „Gebt mir vier Jahre Zeit“ 1937, für die er die Haupthalle in den Ausstellungshallen am Funk, dazu eine sehr komplexe Licht- und Tonregie entwarf. In den Folgejahren entwarf er hauptsächlich Industriebauten, so einen Bürokomplex für die Auergesellschaft Berlin, die Total-Werke Foerster & Co. in Apolda und eine Fabrikhalle für den Märkischen Metallbau in Oranienburg. Ab 1940 arbeitete er an dem Entwurf für das Krankenhaus auf dem Gelände der Beelitz-Heilstätten bei Potsdam, wohin er ab 1943 dann auch sein Büro wegen der zunehmenden Bombardierungen auf Berlin verlegte.

Im Nachkriegsdeutschland setzte Egon Eiermann fast ungehindert seine berufliche Karriere fort. So entstanden in dieser Zeit Industriebauten, ausgeführt in Stahlskelettbauweise und die Neugestaltung der Eingangsseite der Matthäuskirche in Pforzheim. Anfang der 1950er Jahre begab er sich auf Studienreise in die USA wo er Begegnungen mit Walter Gropius (1883-1969) und Marcel Breuer (1902-1981) hatte. Nach Arbeiten im Pforzheimer Stadtteil Arlinger, setzte er der Arbeiten an der Matthäuskirche fort, die zu einer der wichtigsten Kirchenneubauten der Nachkriegsmoderne wurde. Daran schloss sich 1956 der Wiederaufbau der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche und 1958 die Realisierung des Deutschen Pavillons auf der Brüsseler Weltausstellung, den er aus acht transparenten Glaskuben errichtete. Während dieser Zeit war er zugleich als Professor für Architektur an der Technischem Hochschule in Karlsruhe tätig. Daran schlossen sich Entwürfe für das Gebäude der Deutschen Botschaft in Washington, die Neckermann-Zentrale und der Eiermann-Campus für IBM in Stuttgart an. Im Jahre 1967 hatte er den Vorsitz in der Jury für den Architektenwettbewerb für den Olympiapark in München. Zu seinen wichtigen Bauten zählen auch die Olivetti-Häuser in Frankfurt/Main, die auf trichterartigen Pfeilern aufragen, aber erst zwei Jahre nach seinem Tod fertiggestellt wurden. Egon Eiermann verstarb am 19. Juli 1970 in Baden-Baden.

Nachwirken

Seit 1996 wird der Egon-Eiermann-Preis für Architekturstudenten und junge Architekten durch die Eternit AG vergeben. Aus Anlass seines 100. Geburtstages wurde 2004 eine Sonderbriefmarke herausgegeben und im Jahr 2009 wurde in Karlsruhe die Egon-Eiermann-Allee eingeweiht.

Quellen

  • Imme Boyken, Wulf Schirmer; Egon Eiermann 1904 - 1970 : Bauten und Projekte, Deutsche Verlagsanstalten Stuttgart (1984);
  • Egon Eiermann: Briefe des Architekten. Hrsg.: Institut für Baugeschichte der Universität Karlsruhe. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1994, ISBN 978-3-421-03071-9;
  • Sonja Hildebrand, Egon Eiermann, die Berliner Zeit : das architektonische Gesamtwerk bis 1945, Vieweg-Verlag Wiesbaden (1999);