Eduard Brücklmeier

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Eduard Brücklmeier um 1930

Eduard Brücklmeier (* 8.06.1903, in München; † 20.10.1944, in Berlin-Plötzensee - hingerichtet) war Jurist, Diplomat und aktiv im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Opfer des Faschismus.

An seinem früheren Wohnhaus in Potsdam Leiblstraße 5 (der damaligen Markgrafenstraße) wurde 2005 eine Gedenktafel angebracht. Im gleichen Haus wohnte auch Ulrich Wilhelm Graf Schwerin von Schwanenfeld.

Geschichte

Wohnhaus der Familie Brücklmeier in der Leiblstraße 5 im Sommer 2020

Eduard Brücklmeier wurde 1903 als drittes Kind der Familie des Rechtsanwalts Bruno Brücklmeier und dessen Frau Albina Brücklmeier in München geboren. Durch die Berufung seines Vaters an das Reichsgericht nach Leipzig wuchs Brücklmeier dort in seiner Jugend auf. In seiner Freizeit spielte er Geige und interessierte sich für Geschichte. In Leipzig besuchte er die Höhere Bürgerschule und die humanistische Thomasschule. Dem Wunsch des Vaters gehorchend ging er dann auf preußische Kadettenanstalten, zuletzt an die Hauptanstalt in Groß-Lichterfelde. Nach dem Abitur, das er an der staatlichen Bildungsanstalt STABILA in Lichterfelde 1923 ablegte, begann er auf Grund seiner persönlichen Ablehnung des militärischen Drills ein Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Hier trat er nach väterlichem Druck in das Studentencorps Bavaria ein. Ab 1925 setzte er das Studium in Leipzig und Lausanne fort.

Das Referendarexamen legte Eduard Brücklmeier in Würzburg ab, wo er auch zum Dr. jur. promovierte. Von hier wechselte er in den dreijährigen juristischen Vorbereitungsdienst für eine Diplomatenlaufbahn ins Auswärtige Amt. Seine diplomatisch-konsularische Prüfung legte er 1929 ab und wurde an deutschen Auslandsvertretungen eingesetzt. Das waren ab 1930 Teheran, Bagdad, Colomb und Katowice. Hier erfolgte auch 1934 seine Ernennung zum Vizekonsul und 1936 der Wechsel an die deutsche Botschaft in London. Hier lernte er auch seine spätere Frau Klothilde kennen, mit der er 1937 die Ehe einging. Im gleichen Jahr wurde er in die NSDAP aufgenommen. Gegen seinen Willen wurde er 1938 durch den neu ernannten Außenminister Joachim von Ribbentrop (1893-1946) dem Büro des Außenministers zugeordnet und bei der SS im Range eines SS-Obersturmführers registriert. Ihn begleitete er auch auf mehreren wichtigen Auslandsreisen, beispielsweise nach Moskau, Paris und Wien. Auf Grund einer Denunziation durch seinen Hausarzt wegen defätistischer Äußerungen wurde er 1939 kurzzeitig durch die Gestapo verhaftet und persönlich durch den Chef des Reichssicherheitshauptamtes Reinhard Heydrich (1904-1942) verhört. Durch das anschließend eingeleitete Disziplinarverfahren wurde er im Mai 1940 aus dem Auswärtigen Amt entfernt.

Bereits seit etwa 1937/1938 gehörte Eduard Brücklmeier zum aktiven militärischen Widerstand gegen das NS-Regime. In die Planung für eine Entmachtung Adolf Hitlers im Jahre 1938 war er mit einbezogen. Zu den maßgebenden führenden Personen unterhielt er vertrauliche Kontakte und bemühte sich in den Folgejahren mit, Kontakte zu anderen politischen Gruppierungen, die das NS-System ablehnten, herzustellen und seinen Möglichkeiten entsprechend aufrecht zu erhalten. Nach dem Rauswurf aus dem diplomatischen Dienst wurde er 1940 als Gefreiter den deutschen Besatzertruppen in Frankreich zu gegliedert. Ab Anfang 1941 arbeitete er im Heeresverwaltungsamt wurde aber hier nach einer sicherstellenden Überprüfung durch die Gestapo Ende 1942 entlassen. Schließlich erhielt er 1943 Hilfe, um bei der Firma Nordsee GmbH eine Anstellung zu erhalten. In dieser Zeit organisierte und arrangierte Brücklmeier eine Vielzahl von Treffen und schuf Querverbindungen zwischen den unterschiedlichen Widerstandgruppen. So stellte er unter anderem einen Kontakt zwischen Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg mit Wilhelm Leuschner her. Dazu nutzte er zu Tarnung seine Wohnung in der damaligen Potsdamer Markgrafenstraße 5.

In der nach dem geplanten Sturz von Adolf Hitler vorgesehenen Regierung sollte er an der Seite von Ludwig Beck (1880-1944) und Carl Friedrich Goerdeler (1884-1945) die Position eines Staatssekretärs im Auswärtigen Amt einnehmen. Ohne in die genaue Zeitplanung eingewiesen zu sein wurde er im Juli 1944 gebeten, von Österreich nach Berlin zu kommen und sich dort bereit zu halten. Nach dem Scheitern des Attentats auf Adolf Hitler wurde Brücklmeier bei seiner Rückreise am 27. Juli in Prag verhaftet. Am 28. und 29. September 1944 fand der Prozess gegen ihn und weitere Angeklagte vor dem I. Senat des sogenannten „Volksgerichtshofes“ statt. Unter dem Vorsitz von Roland Freisler (1893-1945) wurde er am 29. September zum Tode durch Erhängen verurteilt. Am 20. Oktober 1944 wurde das Urteil im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee vollstreckt.

Nachwirken

In seiner Geburtsstadt in München, im Stadtteil Hasenberg, wurde 1953 eine Straße nach Eduard Brücklmeier benannt.

Quellen

  • Auswärtiges Amt, Historischer Dienst (Hrsg.): Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871–1945. Band 1;
  • Biografie über Eduard Brücklmeier, Gedenkstätte Deutscher Widerstand, in: Gedenkstätte Deutscher Widerstand
  • Ines Reich-Hilweg: Potsdam und der 20. Juli 1944. Auf den Spuren des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus. Begleitschrift zur Ausstellung des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes und des Potsdam-Museums. Rombach Verlag, Freiburg 1994, ISBN 3-7930-0697-2, S. 66 f.;

Weblinks