Café Rabien

Aus PotsdamWiki
Wechseln zu:Navigation, Suche
Datei:Cafe Rabin (Heider) 1929.jpg
Cafe Rabin (Heider); 1929

Mit dem Café Rabien wurde in Potsdam eine über hundertjährige Caféhaustradition begründet.

Der Firmengründer Ernst Rabien schaffte es mit seinen Torten und seinem Gebäck sogar zum Potsdamer Hoflieferanten. Das Café Rabien befand sich von 1878-1932 am Nauener Tor. Dieses Haus in der Friedrich-Ebert-Straße 29 wurde 1731 vom holländischen Tischlermeister Gerrad de Ridder erbaut. Im Jahre 1908 bekam es der Hofkonditor Ernst Rabien, der es zu einer Konditorei umbaute. Damals waren die meisten Kunden noch Militärs der Garnison, aber auch Kurt Tucholsky und Carl von Ossietzky lasen im heutigen Café Heider für die Weltbühne Korrektur. Rabien erhielt den Titel Hoflieferant, nachdem er schon länger die Hohenzollern beliefert hatte. Der spätere Kronprinz Louis Ferdinand ging mit Johannes Hugo Rabien, Sohn von Ernst Rabien, in die gleiche Schule. Potsdam entwickelte sich während der Weimarer Republik vom Militärsstandort zum Touristenziel, deshalb verlagerte Rabiens Sohn Hugo, der die Leitung inzwischen übernommen hatte, den Standort des Cafés. 1932 kaufte er ein geeignetes Haus am Brandenburger Tor in Potsdam und führte das Geschäft dort unter seinem Namen fort. Dort genossen die Besucher des nahe gelegenen Parks Sanssouci eine Tasse Mokka und Rabiens Torten. Am neuen Standort trafen sich nun auch die Schauspieler der Ufa, wie Heinz Rühmann und Lilian Harvey und auch Charlie Chaplin soll mal dagewesen sein. Für die Ufa-Produktion "Emil und die Detektive" wurden einst acht Zylinder aus Schokolade hergestellt, von denen einer im Film verspeist wurde. Während der Zeit des Nationalsozialismus und während der Nachkriegszeit ging der Betrieb ohne Unterbrechung weiter, obwohl das Café durch Bomben schwer beschädigt wurde. 1952 zogen die Rabiens nach Berlin, wo sie bis heute eine Konditorei führen. Als in den 70er Jahren die Caféhäuser aus der Mode kamen spezialisierte sich der Betrieb auf den Ladenverkauf und die Produktion von Baumkuchen, der heute weltweit beliebt ist. Besonders Japaner lieben die original deutschen Baumkuchen der Rabiens nach steng geheimem Familienrezept. Heute führt der Urenkel des Firmengründers Johannes Rabien die Geschäfte. Caféräume wie einst in Potsdam gibt es bei Rabien heute nicht mehr, aber die Verpackungen der Baumkuchen aus dem Betrieb in der Berliner Klingsorstraße ziert noch immer ein Bild des Nauener Tores. Heute befindet sich am Nauener Tor ein Nachfolger des Café Rabien: das Café Heider.