Weberhäuser
Die sogenannten Weberhäuser, auch „Kolonistenhäuser“ genannt, waren reine Typenhäuser und prägten das Bild der damaligen Weberkolonie Nowawes, dem heutigen Potsdamer Stadtteil Babelsberg. Hier sind noch an vielen Stellen die alten Weberhäuser anzutreffen. Die meisten wurden jedoch in der sogenannten Gründerzeit durch massive Neubauten ersetzt oder zum Teil erheblich umgebaut. Ihr Erhalt ist heute Bestandteil der Sanierungssatzung für Babelsberg.
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Geschichte
König Friedrich II. ließ diese Häuser für die Kolonisten errichten, insbesondere für Protestanten aus Böhmen, die wegen ihres evangelischen Glaubens in der Heimat verfolgt wurden. Ein Beispiel für ein solches Typenhaus ist das Haus am Weberplatz Nummer 3. Dieses gleicht nach seiner Sanierung am ehesten dem ursprünglichen Typenbau, von dem ab dem Jahr 1751 insgesamt 210 errichtet worden sind.
Nach der Wende wurden einige der letzten verbleibenden Weberhäuser – wie z. B. in der Garnstraße Nummer 30 und in der Karl-Liebknecht-Straße Nummer 100 – unter Denkmalschutz gestellt.
Weitere Details
Die Weberhäuser waren als fünfachsige, eingeschossige Doppelhäuser mit einem gemeinsamen Eingang in der Mitte und einem zentralen Flur in schlichter Fachwerk-Bauweise errichtet. Die Häuser besaßen zudem in der Regel ein mit Ziegel gedecktes Walmdach. Die Häuser waren meist etwa 12,5 Meter breit und 9,5 Meter lang. Dadurch erbag sich eine ungefähre Gesamtfläche von 120 Quadratmetern.
Durch den zentralen Flur, welcher die Häuser in zwei gleichgroße Hälften teilte, konnten jeweils zwei Familien in einem Haus, auf einer Fläche von jeweils rund 45 Quadratmeter, wohnen. Jede Familie hatte an der Straßenseite ein großes Zimmer mit zwei Fenstern, welches als Arbeitsraum und Wohnbereich genutzt wurde. Darin standen der Webstuhl, das Spinnrad oder andere Gerätschaften für die Heimarbeit.
Auf der Hofseite befand sich die Küche und ein Schlafraum. Teilweise war die Küche mit einem Fenster versehen oder als sogenannte Schwarze Küche ausgeführt. Bei einem zweiten Haustyp befand sich die Küche in der Mitte des Flures und wurde von beiden Parteien gemeinsam genutzt.
Der Dachboden war teilweise ausgebaut und hatte kleine Giebelfenster. Diese Kammer war den Kindern vorbehalten, wurde untervermietet oder als Materiallager verwendet. Die Weberhäuser waren ursprünglich nicht unterkellert. Erst zu späterer Zeit wurde ein frostfreier Kriechkeller angelegt. Auf dem Hof standen eine Toilette sowie ein Schuppen oder ein Stall für Haustiere. Für die Versorgung mit Wasser gab es im damaligen Nowawes insgesamt 21 Brunnen.
Weitere Bilder
Einige Weberhäusern in der Karl-Gruhl-Straße im Sommer 2010
Siehe auch
Weblinks
- Weberhaus (Stadthaus) – Artikel bei der Wikipedia
Quellen
- „Neuendorf - Nowawes - Babelsberg: Stationen eines Stadtteils“ – Herausgeber: Förderkreis Böhmisches Dorf Nowawes und Neuendorf e. V.; in Redaktion von Almuth Püschel; 1. Auflage; Horb am Neckar; Geiger-Verlag; 2000; ISBN 3-89570-653-1
- „250 Jahre Weberkolonie Nowawes/Babelsberg“ – Herausgeber: Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung, Potsdam, 2000, ISBN 3-932502-21-3