Uferweg am Griebnitzsee
Der Uferweg am Griebnitzsee war seit der Wende einer der schönsten Spazierwege in Babelsberg, der von den Potsdamern und Gästen immer gerne genutzt wurde. Er führte am Ufer des Griebnitzsees entlang, durch die Villenkolonie Neubabelsberg, und verband dort den Park Babelsberg mit der Stubenrauchstraße, nahe der Kohlhasenbrücke.
Geschichte
Vor der Wende wurde der Uferweg, als Teil der DDR-Grenzanlagen, als Kolonnenweg genutzt und damit für die Bevölkerung Sperrgebiet. Danach wurde der Weg mehr oder weniger schleichend von den Potsdamern und Gästen als Nah-Erholungsgebiet entdeckt. Einige Jahre später, als nach und nach die bis dahin unklaren Eigentumsrechte der vom Uferweg durchquerten Grundstücke geklärt wurden, begannen einige Grundstückseigner ihre Grundstücke festungsartig fast bis direkt an das Ufer des Griebnitzsees auszubauen, wobei sie jedoch immer auch einen Weg für Gäste frei ließen.
Im Jahr 2003 wurde bekannt gegeben, der Bund sei „grundsätzlich auch bereit, die restlichen ehemaligen Mauer- und Grenzgrundstücke unentgeltlich“ auf die neuen Länder zu übertragen, was auch den Uferweg am Griebnitzsee einschloß. Diese Grundstücksübertragung wurde jedoch von der damaligen Landesregierung nicht wahrgenommen.
Im Jahr 2004 haben sich 7.000 Potsdamer und Berliner Bürger in einer Unterschriftenaktion für den Erhalt des Uferweges und eine öffentliche Betretbarkeit der Uferflächen bis zum Wasser ausgesprochen. Die Stadtverordnetenversammlung von Potsdam hat im September 2004 einen Kaufbeschluss für die im Besitz des Bundes befindlichen Uferflächen gefasst, um diese für die Öffentlichkeit – in einem geplanten Uferpark – nutzen zu können. Ein Bebauungsplan, der einen öffentlichen Uferweg und die Betretbarkeit der Uferflächen bis zum Wasser sichert, wurde von der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung am 7. November 2007 einstimmig beschlossen. Gegen diesen Bebauungsplan wurde kurz darauf (Stand: 6.5.2009) durch mehrere grundstücksbesitzende Seeanrainer geklagt. Die Stadt Potsdam stützte die Existenzberechtigung des Weges sowohl auf ein straßenrechtliches als auch auf ein naturschutzrechtliches Betretungsrecht. Eine Widmung des Weges als öffentlicher Weg wurde jedoch vom Verwaltungsgericht Potsdam am 5. Februar 2009 abgelehnt. Auch ein naturschutzrechtliches Betretungsrecht besteht nicht, wie das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg am 2. April 2009 urteilte. Darauf hin wurde der Uferweg, am 18. April 2009, von einigen Grundstücksbesitzern wieder für die Öffentlichkeit gesperrt und teilweise weiter bis an das Wasser bebaut.
Die Prozesskosten zum Rechtsstreit beliefen sich zuletzt (nach einem Artikel der PNN, vom 6.6.2009) auf bis zu 500.000 Euro. Zudem wurde auch die Qualität der Rechtsberatung bemängelt, was die hohen Kosten zusätzlich in Frage stellt.
Im Jahr 2010 wurde die Schenkungsstrategie der ehemaligen Mauergrundstücke vom Bund widerrufen, wonach die Flächen nun höchstbietend verkauft werden sollen.
Weblinks
- Griebnitzsee für Alle – offizielle Webseite vom Verein
Quellen
- Uferweg am Griebnitzsee ist Privatgelände – Artikel bei Der Tagesspiegel, vom 3. April 2009
- Stadt will Uferweg am Griebnitzsee freikaufen – Artikel bei Der Tagesspiegel, vom 25. April 2009
- Griebnitzsee – Artikel bei der Wikipedia, vom 6. Mai 2009
- Griebnitzsee: Enorme Prozesskosten – Artikel bei der PNN, vom 6. Juni 2009
- Villen-Weg am Griebnitzsee: Spaziergänger müssen leider draußen bleiben – Artikel bei Spiegel online, vom 10. September 2010