Garnisonkirche
Die Garnisonkirche befand sich in der Innenstadt von Potsdam, in der Breiten Straße und war ein Wahrzeichen von Potsdam. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Kirche stark beschädigt und in den 1960er Jahren abgerissen. Danach wurde an ihrer Stelle ein Rechenzentrum und ein weiterer Flachbau errichtet.
Geschichte
Die erste Garnisonkirche entstand in den Jahren 1720 bis 1722. Sie war ein Fachwerkbau und hatte einen quadratischen Grundriß. Da der Untergrund des Baues nicht ausreichend verfestigt wurde (siehe Plantage), versank die Kirche nach wenigen Jahren.
Die neue Kirche wurde von Philipp Gerlach zwischen 1730 und 1735 auf Befehl von König Friedrich Wilhelm I. errichtet. Sie diente den königlichen Soldaten für Gottesdienste und galt als ein Hauptwerk des preußischen Barock. Mit einem 88,40 Meter hohen Glockenturm überragte das Gebäude die anderen Bauten der Stadt. Die Kirche bildete mit der Nikolaikirche und der Heiligengeistkirche eine Sichtachse, den sogenannten "Drei-Kirchen-Blick". Alle drei Kirchen prägten daher eindrucksvoll die Stadtsilhouette von Potsdam.
In der offenen Turmlaterne befand sich ein Glockenspiel mit 40 Glocken. Es spielte in halbstündlichem Wechsel den Choral „Lobe den Herren“ und das Lied „Üb' immer Treu' und Redlichkeit“. 365 Stufen waren bis zu dem Glockenspiel zu ersteigen.
Am 22. Juni 1740 wurde Friedrich Wilhelm I. in einer Gruft unter der Kanzel beigesetzt. Der Sarg Friedrich II. Folgte 46 Jahre später.
Der Innenraum glänzte durch Schlichtheit. Herausragender Schmuck bildeten Fahnen und Standarten, welche die preußischen Armeen in den Befreiungskriegen gegen Napoleon und in den sogenannten „Vereinigungskriegen“ in den Jahren 1864, 1866, 1870 und 1871 erobert hatten.
Der „Tag von Potsdam“ – am 21. März 1933 – belastet die Garnisonkirche in besonderem Maße, da sie von den Nationalsozialisten zur Inszenierung ihrer Machtübernahme missbraucht wurde, die damit zur Erreichung Ihrer Ziele auch eine angebliche Verbindung von Nationalsozialismus und Preußentum demonstrieren wollten. Hier konstituierte Adolf Hitler den neu gewählten Reichstag. Er verkündete, im Beisein von Feldmarschall und Reichspräsident Paul von Hindenburg, die Verknüpfung der nationalsoziaistischen Gewaltherrschaft mit der preußischen Monarchie. Beim Aufmarsch des 9. Infantrieregiements in der Breiten Straße war fast die gesamte preußische Kaiserfamilie dabei.
Die Garnisonkirche wurde bei dem britischen Bombenangriff in der Nacht von Potsdam, am 14. April 1945, nur durch einen Blindgänger getroffen. Weitere Schäden erhielt sie lediglich durch Bombensplitter und herum fliegende Trümmerteile. Der benachbarte Lange Stall brannte jedoch lichterloh und der Wind wehte brennende Teile und riesige Funken auf die Kirche hinüber. Durch offene Lüftungsklappen im Bereich der Glockensspielwalze konnten diese schließlich in das Innere des Turmes vordringen und ihn komplett in Brand setzen. Insbesondere das hölzerne Turmgeschoss und die mit sehr viel Holz verarbeitete Technik des Glockenspiels gaben dem Feuer reichlich Nahrung. Nachdem sich die Glocken aus ihren Halterungen gelöst hatten stürzten sie einzeln vom Turm in die Tiefe während sie ein letztes Mal angeschlagen wurden. Das Kirchenschiff war noch intakt, da jedoch ein Blindgänger explodierte, brannte dieser Gebäudeteil ebenfalls aus. Ein Teil des wertvollen Inventars, wie der Feldalter, konnten im letzten Moment gerettet werden. Weitere Schäden an der Garnisonkirche wurden durch Artilleriebeschuss der herannahenden Sowjetarmee verursacht.
Bei seinem Besuch in Potsdam am 22. Juni 1967 forderte SED-Generalsekretär Walter Ulbricht die Beseitigung der noch immer stadtbildbestimmenden Kriegsruinen, so auch die Garnisonkirche. Ohne Vorankündigung wurden die Potsdamer Stadtverordneten auf Druck der Bezirksleitung der SED in der Sitzung vom 26.04.1968 aufgefordert, für die Sprengung der Kirche zu stimmen. Vier Abgeordnete stimmten gegen den Abriss. Bereits zehn Tage davor hatte das Politbüro der SED den Kirchenabriss und die Neubebauung durch ein Rechenzentrum beschlossen.
Am 14. Mai 1968 fand eine erste Sprengung statt. Zunächst wurden abschnittsweise die Umfassungsmauern und Pfeiler gesprengt. Die Sprengung des Turms gelang nur zum Teil, so dass am 23.06.1968 eine zweite Sprengung notwendig war. Hunderte Potsdamer standen an den Absperrungen und verfolgten bewegt das traurige Schauspiel. Auf dem nun freien Gelände entstand das zuvor geplante Rechenzentrum für den Bezirk Potsdam. Aufgrund des immernoch sehr schlechten Baugrundes wurde es zum teuersten Bau dieser Art in der Geschichte der DDR.
Am 14. April 1991 wurde auf der Plantage Dortustraße-Ecke-Yorckstraße ein neues Glockenspiel der Garnisonkirche in Betrieb genommen. Die Glocken sind an einer schlichten Stahlkonstruktion befestigt. Besonders das deutsche Fallschirmbataillion hatte sich dafür eingesetzt.
60 Jahre nach der Nacht von Potsdam legten führende Politiker Brandenburgs und der evangelischen Kirche am 14. April 2005 den Grundstein für den Wiederaufbau der Garnisonkirche. Die Veranstaltung wurde von Massenprotesten begleitet und war weiträumig abgesperrt. Rund fünf Monate später setzte man dann den Schlussstein über einem neuen, 8 Meter hohen Gewölbebogen, der auf dem erhaltenen Fundament steht und ein Teilstück des Turminnenraumes ist.
Der Wiederaufbau der Garnisonkirche ist vorgesehen. Die „Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel“ (kurz „TPG“) hat seit der Wende über 7 Millionen Euro für den Wiederaufbau der Garnisonkirche gesammelt und möchte, dass die Kirche im ursprünglichen Sinne genutzt wird.
Als zweite Gruppierung ist die „Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam e.V.“ (kurz „FWG“) an dem Thema beteiligt. Am 15. Januar 2004 unterzeichneten mehr als 100 Persönlichkeiten aus Brandenburg und Berlin den „Ruf aus Potsdam“, der zum vollständigen Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche aufruft. Als Schirmherren der Wiederaufbau-Initiative nahmen Bischof Martin Huber, Ministerpräsident Matthias Platzeck und Innenminister Jörg Schönbohm teil.
Die Evangelische Kirche in Potsdam möchte die ehemalige Garnisonkirche als Kirche wieder gewinnen, erhalten und als ein Versöhnungszentrum betreiben. Die FWG unterstützt diese Pläne. Eine Stiftung befindet sich in Gründung. Zweck der Stiftung soll zukünftig die vom Ort der Potsdamer Garnisonkirche ausgehende Friedens- und Versöhnungsarbeit sein.
Die TPG ist der Auffassung, dass mit dem neuen Nutzungskonzept nicht ihre ursprünglichen Ziele verwirklicht werden. Sie hat ihre Auflösung beschlossen. Ein Teil der Spender nahm seine Zusage zurück. Es stehen aber noch gut 5 Millionen Euro aus Spenden der TPG zur Verfügung. Dieses Geld verwahrt die TPG. Es soll zur Auszahlung kommen, wenn die TPG im Nutzungskonzept ihre Ziele erfüllt sieht.
Die FWG zeichnete sich im Jahr 2005 für den Bau des Gewölbebogens verantwortlich. Ihr Kapital beträgt nach Presseberichten 300.000 Euro. Die Kosten für den Wiederaufbau der Garnisonkirche werden auf 65 Millionen Euro geschätzt.
Im Haus der FWG, Breite Straße 7, befindet wird eine Ausstellung über die Garnisonkirche.
Weblinks
- Wiederaufbau der Garnisonkirche – offizielle Webseite der Fördergesellschaft (FWG)
- Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel – offizielle Webseite der Stiftung Preussisches Kulturerbe
- Die Garnisonkirche – Seite bei Potsdam.de
- Bürgerinitiative Für ein Potsdam ohne Garnisonkirche
Quellen
- Die Garnisonkirche – Seite bei Potsdam.de; Stand: 2. Juli 2010; Quelle zur Geschichte
- „Potsdam-Lexikon, Stadtgeschichte von A bis Z“, Götzmann, Jutta; Wernicke, Thomas; Winkler, Kurt (Hrsg.); Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin, 2010, S. 219f; ISBN 978-3-942476-03-4.